The Italien Job

„The Italien Job”,



lautet der Name eines bekannten Hollywood-Filmes, in dem es um eine wilde Jagd nach Goldbarren geht. Wir hatten es allerdings auf ein anderes Gold abgesehen, nämlich auf goldene Karpfen aus dem Lago Superiore.

Der Lago Superiore ist der größte der drei Mincio-Seen und mit einer Fläche von über 600ha, seinen versteckten Buchten, Schilfarealen und Seitenarmen ist er ein einzigartiges Naturparadies.
Der See ist im Durchschnitt 3-4m tief, wobei es auch tiefe Löcher mit bis zu 9m gibt. Angeltechnisch kommt in diesem Revier wohl jeder auf seine Kosten. Karpfen- und Feederfischen der Extraklasse und natürlich der sensationelle Wallerbestand haben den Lago europaweit bekannt gemacht. Insbesondere einige Plätze im oberen Bereich des Sees, die nur vom Wasser aus zu erreichen sind, ermöglichen eine entspannte Fischerei, bei der man nahezu ungehindert seinem Hobby nachgehen kann.

Da ich von einigen Angelfreunden schon viel Negatives über Italien gehört hatte, gerade in Bezug auf Kriminalität und auch über eine gewisse Fremdenunfreundlichkeit gegenüber auswärtigen Anglern, hatten wir uns entschlossen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Daher buchte ich über das La Motta-Wallercamp eine Woche Outdoor-Fishing am Lago Superiore.
Mit im Packet hat man nicht nur ein extragroßes „Wallerboot“, welches uneingeschränkte Mobilität auf dem Wasser gewährleistet, sondern auch einen sicheren Parkplatz, direkt im Hafen von Mantova und auch eine komplette Rundum-Betreuung. Besonders reizvoll war hierbei natürlich die Option einige Stellen zu befischen, die nur mit dem Boot zu erreichen sind.

Aufgrund von beruflichen und familiären Zwängen (ja auch Karpfenangler haben gelegentlich Familie) musste der Trip vom 23.-30. August stattfinden. Sicherlich nicht die idealste Zeit zum Karpfenfischen in Italien aber wir wollten uns der Herausforderung stellen.


Im Vorfeld mailte ich mehrmals mit Peter, dem Chef vom La Motta-Wallercamp, der mich mit allen aktuellen Informationen vom Lago versorgte, somit konnte ich mir schon frühzeitig ein sehr gutes Bild von der Situation vor Ort machen. Da ich wusste, dass sich im See auch zahlreiche kleine Karpfen, Karauschen und andere Plagegeister, wie Brassen und Güstern befinden, hatte ich meine Köder speziell auf diese Bedingungen angepasst. Hierzu wählte ich die V.I.P. Fish Boilies aus, welche schon über eine ausgezeichnete Grundhärte verfügen und legte diese zusätzlich noch Fischöl und Knoblauchpulver ein, damit hatte ich einen idealen Köder, der trotz hochwertiger wasserlöslicher Zutaten, hart genug war, um den Krebsen und anderem Kleingetier zu widerstehen.
Die letzten Tage, vor der Abreise, ging mein Blick immer öfter ins Land von Pizza und Pasta. Der Lotto-Jackpot und die Temperaturen in Italien wuchsen gleichzeitig in unermessliche Höhen an. Bis zu 38Grad wurden in der Woche vor unserer Abreise gemessen und der Jackpot pegelte sich bei schlappen 147Mill. € ein.

Am Abend des 22.08. konnte endlich die Reise über die Alpen beginnen. Mit mir hatte sich mein langjähriger Angelpartner Christian auf den langen Weg nach Italien gemacht. Während der nächtlichen Fahrt über den Brenner, ließ ich die Gedanken schweifen, die sich um den überirdischen Lotto-Jackpot drehten. Wie wäre es wohl, als glücklicher Gewinner, den Lac de Saint Cassien aufzukaufen und statt der besoffenen Engländer, nur noch kurvige Schönheiten von der Cote d`Azur an den See zu lassen. Die zahlreichen Rentner in ihren Wohnmobilen holten mich aber schnell wieder aus meinen Träumen und wir spulten die restlichen Kilometer bis nach Cesole zügig herunter. Im La Motta Camp angekommen, wurden wir von Peter und Robert in die Abläufe und das Reglement am Lago eingewiesen und bekamen unsere Lizenzen ausgehändigt. Insbesondere auf die Einhaltung der strengen Regeln legten die beiden größten Wert, da sich der ganze See in einem Naturreservat befindet.


Anschließend fuhren wir gemeinsam an den Lago, wo wir unser Boot übernahmen und von einem Guide einige interessanten Stellen gezeigt bekamen. Wenn man den Lago das erste Mal zu sehen bekommt, ist man von der Schönheit und Unberührtheit einfach nur begeistert und taktisches Geplänkel um Angelstellen und Ähnliches geraten schnell zur Nebensache. Trotzdem fanden wir einige reizvolle Plätze, die alle einen eigenen Charakter hatten und verschiedenste Optionen zu Fischen anboten. Im Hafen selbst, stehen für die Angler zwei große Kühlschränke, mit Gefriermöglichkeit zur Verfügung und natürlich sind auch Sanitäranlagen vorhanden. Falls sich jemand nebenbei mit den „Wallermonstern“ im See anlegen möchte, ist er bei den La-Motta-Spezies genau an der richtigen Adresse, die nicht nur den See wie ihre Westentasche kennen, sondern auch für alle eure Fragen zur Verfügung stehen.

Unser erster Platz befand sich direkt am Einlauf des Mincio in den See. Hier konnten wir das Flussbett und weit reichende Schilf- und Flachwasserzonen beangeln. Während wir an der Feeder-Rute Brassen und Plötzen im Minutentakt fingen, landeten auch die Karpfen-Ruten im Wasser, die uns bereits nach einer halben Stunde den ersten Fisch brachten. Der kleine Schuppi konnte scheinbar nicht an dem knallharten 30mm Knödel vorbeischwimmen und landete sicher im Netz.
Von Stunde an hielten uns die Karpfen, mit zahlreichen Bissen, bei Laune (ja manchmal auch auf Trab). So konnten wir in den ersten beiden Tagen bereits über 30 Karpfen fangen und auch ein Waller von 150cm konnte den V.I.P: Fish-Knobi-Boilies nicht widerstehen.
Leider zwangen uns die enormen Temperaturen, nach 2 Tagen, den Platz zu wechseln.
Am Lago Superiore ist es nämlich nur nachts und bei Regen erlaubt den Schirm aufzubauen. Daher suchten wir uns ein schattiges Plätzchen in der Nähe der Lotusblumenfelder. Diese Felder sind eine überregional bekannte Sehenswürdigkeit und werden von den Ausflugsdampfern mehrmals stündlich angefahren. In diesen Bereichen ist es zwingend erforderlich die Schnüre direkt an den Rutenspitzen anzusenken, denn die Ausflugsschiffe nehmen keinerlei Rücksicht und fahren ganz knapp an den Anglern vorbei. Die Karpfen ließen uns natürlich nicht im Stich und waren auch an den Lotusblumen in großen Gruppen vertreten.
Die Bisse waren so zahlreich, dass wir die Gelegenheit nutzen um Köder und Montagen ausgiebig zu testen. Das besondere High Light war hierbei die Kombination aus Rising-Strawberry-Boilies und Halibut-Pellets. Die Bisse kamen so schnell und häufig, dass wir diese Kreation das „5-Minuten-Rig“ tauften. Ob dieses Rig mal den Weg in ein Rig-Book findet bleibt fraglich, aber die Karpfen im Lago werden es wohl nicht vergessen. In der Nacht benutzten wir ausschließlich Schneemänner mit 2mal 30mm Boilies und wenigstens etwas Schlaf zu bekommen.
Leider vergriffen sich immer wieder Karpfen der 15pf Klasse selbst an den Riesenködern. 80% der Fische waren torpedoförmige Schuppenkarpfen, die ausgezeichnete Kämpfer waren. Ein besonders harter kämpfender Schuppi brachte bei 95cm Länge gerade mal 22pf auf die Wage. Die wenigen Spiegler, die wir fingen, waren deutlich bulliger, aber es ist und leider nicht gelungen einen der echten Riesen zu überlisten. Der See-Rekord liegt immerhin bei 56pf.


Für die letzten 3 Nächte wechselten wir noch mal die Stelle und bezogen, den so genannten Waldplatz.
Dieser sehr angenehm schattige Platz bot zahlreiche Möglichkeiten die Ruten zu positionieren und brachte auch von Anfang an Fisch an den Haken. Allerdings hatte dieser Platz einen gravierenden Nachteil: Ameisen in rauen Mengen. Man fühlte sich an einen drittklassigen Horrorstreifen erinnert.
Die Ameisen waren einfach überall. In den Taschen, zwischen den Boilies und im Schlafsack. Dieser Platz ist nur für Carp-Hunter mit extrem starken Nerven oder einer ausgeprägten Vorliebe für Krabbeltiere geeignet. Es sei den man befischt ihn in der kalten Jahreszeit. Am Waldplatz konzentrierten wir uns speziell auf die unterspülten Schilfkanten und vorgelagerten Seerosenfelder. Diese sind wahre Hotspots für Karpfen und Waller. An diesen Stellen sollte man die Materialen immer eine Stufe stärker wählen, denn der nächste Biss könnte der eines großen Urians sein.


Insgesamt konnten wir in einer Woche ca. 120 Karpfen fangen, wobei das Durchschnitts-Gewicht bei etwa 20pf lag. Nebenbei konnten wir noch 11 Waller bis 160cm an Land ziehen.

Für die Angler, die, nach dem Lesen des Berichtes, vielleicht mit dem Gedanken spielen zum Lago Superiore aufzubrechen, noch einige wichtige Tipps. Die Stellen in der Nähe Stadt sollte man möglichst meiden. Es sei denn man hat Bock auf Stress mit den Einheimischen. Da der See von den italienischen Karpfenanglern stark beangelt wird, gibt es einige „italienische Plätze“ die auch teilweise mit handfesten Argumenten verteidigt bzw. beansprucht werden. Auch einem sicheren Abstellplatz für eure Fahrzeuge kommt eine besondere Bedeutung zu. Wenn ihr eure Autos irgendwo, unbewacht am See abstellt dann müsst ihr wirklich alles, selbst eine Flasche Wasser, aus dem Auto nehmen. Es wurden dort schon Leuten die Karren wegen einer Tüte Boilies für 10€ aufgebrochen. Insgesamt darf man nicht mehr als 2,5kg Futter pro Person und Tag mit sich führen. Wird man mit mehr erwischt, führt das unweigerlich zum Entzug der Angellizenz. Innerhalb einer Woche wurden wir zweimal kontrolliert. Die Kontrollen sind sehr streng und werden von zwei Organisationen durchgeführt. Erstens von der FIPSAS (Fischereibehörde Mantova) und zweitens von der Parco di Mincio (Naturschutzbehörde).
Besonders letztere nehmen ihren Job sehr genau und verstehen überhaupt keinen Spaß. Ich kann euch nur dringend anraten, die Regeln strikt einzuhalten sonst packt ihr ein und fahrt nach Hause. Die Zeiten, in denen man sich in Bella Italia wie ein Outlaw aufführen durfte, sind zu Glück ein für alle mal vorbei. Daher meine Bitte: Verhaltet euch wie Gäste am Gewässer und nehmt euch kein „schlechtes“ Beispiel an dem einen oder anderen Einheimischen. Wie sagt man so schön: „Wenn Zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht dasselbe!“

Auf alle, die sich mit den Bedingungen dort anfreunden können, wartet, neben dem intensivem Naturerlebnis, ein einzigartiges Gewässer, das sich mit jedem Toprevier in Europa messen kann. Der Lago Superiore ist sicherlich nicht das ideale Gewässer, für Carp-Hunter die auf den „einen Dicken“ ansitzen wollen. Aber die Chance auf einen richtig großen Fisch ist jederzeit vorhanden.

Kreischende Rollen am Lago wünscht euch Marco