Immer wieder Frankreich!

Als wir freitags das Auto beladen, trennen uns noch um die 400 km von unserem Ziel in Nordfrankreich. Das Auto ist von unten bis oben randvoll, aber ein echter Karpfenangler hat ja bekanntlich lieber etwas mehr dabei. Da spielt es keine Rolle, dass unsere Session aus zeitlichen Gründen nicht länger als vier Tage dauern sollte. Wochenlang hatten wir uns auf den Trip vorbereitet und so hofften wir natürlich auch den ein oder anderen schönen Fisch zu fangen.

Frankreich steht nicht nur für traumhafte Gewässer, sondern auch für gutes Essen


Frankreich steht nicht nur für traumhafte Gewässer, sondern auch für gutes Essen
Samstagmorgens ging’s dann endlich los- auch die Fahrt verlief zunächst ganz gut. In dem nahe gelegenen Dorf angekommen, gestaltete es sich trotz Wegbeschreibung allerdings als äußerst kompliziert den See zu finden. Wir benötigen dazu eine ganze Stunde, genießen aber nebenher die Fahrt durch die idyllische Landschaft. Weit und breit nichts als Felder, Kuhweiden und moorige Wälder. Hier ist die Natur noch unberührt- hier gibt es keinen Lärm, keine Industrie und alles ist sauber.
Als wir dann endlich am See ankamen, nahmen wir diesen bei einem langen Rundgang genau unter die Lupe. Der See ist von der Form her in die Länge gestreckt und das Wasser ist recht trüb. Insgesamt würden wir ihn als recht strukturarm bezeichnen, dennoch gibt es vereinzelte Hot-Spots. Mit der Lotrute finden wir ein paar Kanten und Vertiefungen. Wir beschließen 2 unserer Ruten dort abzulegen. Außerdem verläuft in der Seemitte eine Art Rinne, welche von den Karpfen vermutlich zum Fressen aufgesucht wird. Dort legen wir zwei weitere Ruten ab. Unsere letzten beiden Ruten fischen wir an überhängenden Bäumen in Ufernähe. Als unser Camp steht beginnen wir mit dem Füttern. Pro Rute füttern wir zunächst um die 3kg Scottish Niggard gemischt mit Heilbuttpellets. Sollten die Fische am Platz sein, muss dann konsequent nachgefüttert werden.

Der Scottish Niggard eignet sich als Futterboilie und Hakenköder gleichermaßen



Noch ist alles still- wielange noch?


Wir haben nicht viel Zeit für große Experimente, deshalb vertrauen wir von Anfang an auf unsere Favoriten #007 und #69 als Hakenköder. Im Vorfeld hatten wir erfahren, dass fischige Boilies an diesem Gewässer den fruchtigen weit überlegen sind. Pop-Ups hätten aufgrund des sehr trüben Wasser auch keinen Sinn gemacht, deshalb verzichteten wir darauf. Visuelle Anreize bringen hier keinen Erfolg. Umso wichtiger dagegen ist die Arbeit mit geschmacklichen Attraktoren. Dips und Flavour spielen deshalb eine sehr wichtige Rolle da sie den Wahrnehmbarkeitsbereich unseres Hakenköders deutlich steigern. Zu jedem Boilie verwenden wir den passenden Dip, sinnvoll ist auch das Dippen über mehrere Stunden. „The Cloud“ und der unverwechselbare 21 Flavour dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Dips und Flavours erhöhen den Wahrnehmbarkeitsbereich des Hakenköders und des Futterplatzes deutlich


Als unsere Ruten ausgelegt sind, genießen wir die freie Zeit und erholen uns von der Fahrt. Allerdings machen wir leider auch mit den riesigen Ratten Bekanntschaft, denen es im Brombeergestrüpp direkt hinter unserem Zelt offenbar ganz gut gefällt. Angezogen von unserem Essen und den Futtersäcken rennen diese auch tagsüber immer wieder zwischen unseren Ruten umher. Wir hoffen bloß, dass nachts keine Ratte auf die Idee kommt, sich mal in unserem Zelt umzuschauen…
Jedenfalls tut sich bis zur Nacht nichts mehr uns so machen so machen wir es uns auf den Liegen bequem. Trotz den vielen Ratten die um unser Zelt herumrennen, schlafen wir aus Müdigkeit schnell ein. Geweckt werden wir von meinem Bissanzeiger mitten in der Nacht. Nach einem intensiven Drill liegt der kampfstarke Spiegler endlich auf der Matte. Die Waage bleibt bei knapp 15 kg stehen. Ein wirklich guter Anfang. Da es schüttet wie aus Kübeln verzichte ich auf ein Bild und lass den Fisch sofort wieder schwimmen. Bis zum nächsten Morgen tut sich nichts mehr und das Wetter macht uns auch einen Strich durch die Rechnung. Über einen Tag lang hört es keine Sekunde auf zu regnen, was auch gar nicht nach dem Geschmack der Karpfen ist. Das Wasser flutet langsam aber sich unser Zelt und wir retten uns auf unsere Liegen, in der Hoffnung dass es doch noch irgendwann aufhört zu regnen. In der Nacht ist es dann endlich soweit und prompt legt Tim einen schönen Spiegler nach.

Dieser Spiegler konnte einem gedippten #69 nicht widerstehen


Dieser Fisch war die Wende, jetzt nach dem starken Regen waren die Fische aktiv auf Nahrungssuche. Wir fingen in der Nacht noch zwei weitere Fische mit 12 und 13 kg. Am nächsten Morgen fütterten wir nochmal nach. Im Blickfeld hatte ich vor allem auch den ufernahen Spod an einem überhängenden Busch, von dem ich mir besonders viel erhoffte. Doch zunächst war am Mittag Tim an der Reihe und legte einen weiteren Spiegler nach.

Bis zur Nacht biss noch ein Schuppi mit knapp 10kg


Bis zur Nacht biss noch ein Schuppi mit knapp 10kg. Es war schon unser letzter Abend und wir waren gespannt was uns die letzte Nacht noch an Überraschungen bereit halten würde. Und tatsächlich, um Mitternacht lief meine Rute ab, die ich direkt an dem überhängenden Busch abgelegt hatte. Ich merkte sofort, dass es ein besserer Fisch ist und nachdem wir den Fisch gewogen hatten, gibt es keine Zweifel mehr: Knappe 18kg hat mein vollgefressener Frankreichspiegler. Dem Fisch zuliebe fotografierten wir ihn sofort bei Nacht und entließen ihn wieder in sein Element.

#007 und „The Cloud“ waren am ufernahen Spod der Schlüssel zu diesem Fisch


Mit diesem Fisch war unser Frankreichtrip nun endgültig perfekt. Am nächsten Morgen packten wir zusammen und treten mit gemischten Gefühlen die Heimreise an. Einerseits hatten wir einen der besten Fische des Sees bereits gefangen, andererseits wurden die Bedingungen immer besser und der See hätte uns sicher noch den ein oder anderen Schatz offenbart. Wer weiß, vielleicht werden wir ja irgendwann wieder zurückkehren…Bis dahin heißt es aber jetzt im Herbst nochmal anzugreifen.
Euch allen wünschen wir jedenfalls einen von Erfolg geprägten Herbst!
Robin Kögel und Tim Stadtmüller