Im Winter am Ball bleiben

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einem Freund über das Karpfenangeln im Winter unterhalten. Er will in diesem Jahr einen echten Winterkarpfen fangen. Das traf sich gut, denn ich steckte ebenfalls schon seit Wochen in den Vorbereitungen für mein Winterprojekt.
Mein Freund erklärte mir, dass er seinen Boiliemix bewusst auf sehr kohlehydratreichen Inhalt umgestellt hat. Das Füttern betreibt er nun auch schon seit dem Herbst – immer großflächig im gleichen Areal eines Baggersees. Seine Theorie: mit den in den herumliegenden Ködern einfach zu findenden Kohlehydraten will er einige Fische in Bewegung halten und sie dadurch fangbar machen. Eine gute Idee. Kohlehydrate sind leicht verdaulich und wenn sie ohne großen Aufwand zur Verfügung stehen, dann könnte der Plan aufgehen. Extrem wichtig hierfür ist jedoch, dass man schon ab dem Herbst kontinuierlich Futter einbringt.

Am Wasser sind wir jetzt ganz allein.


Meine Taktik unterscheidet sich am Ende hauptsächlich von der Boilie-Zusammensetzung. Ich vertraue auf einen hohen Eiweiß-Anteil. Meine Boilies werden damit zwar schwerer verdaulich, aber dafür deutlich nahrhafter. Meine Hoffnung: Ich erreiche mit weniger Futter ähnliche viele Fische wie mein Kumpel und erreiche mit weniger Futter ein vergleichbares Fangergebnis.
Meine Fische müssen nicht so viel Futter suchen, um satt zu sein. Das verbraucht weniger Energie, der Kosten-Nutzen-Faktor steht für die Fische in einem besseren Verhältnis.
Vermutlich werden die von mir „verwöhnten“ Fische dann aber weniger aktiv sein. Am Ende sollen sie das auch gar nicht. Viel wichtiger ist mir eine gesunde Überwinterung der Fische, welche durch gehaltvolle Nahrung begünstigt wird.

Im Spät-Herbst lief es ganz gut


Essentiell wichtig ist ebenfalls das kontinuierliche Füttern von mindestens drei verschiedenen Spots. So hoffe ich, mit meinem Futter mehr Fische zu erreichen. Ebenso wichtig ist es, bereits in einer Phase mit dem Füttern zu beginnen, in der die Fische noch aktiv nach Nahrung suchen. Folglich wird unser Ziel der Begierde den Platz immer wieder prüfen, auch wenn die Abstände immer größer und die Zeitfenster immer kleiner werden.
Hat man genug Fische vom Gabentisch überzeugt, dann kommt der Erfolg fast zwangsläufig. Trotzdem: Jeder Fisch bleibt im Winter hart erarbeitet und ihm liegen viele Stunden der Vorbereitung zu Grunde.

Der erste anständige Frost ist durch


Im Herbst habe ich schon drei Mal vorsichtig getestet und auch gefangen. Mein Futter wurde also gefressen und nun steht meiner Winterernte lediglich mein Ehrgeiz und Durchhaltevermögen entgegen.
Okay, ich gebe zu, dass ich mit den Jahren etwas bequemer geworden bin. Aber meine Luxus Zeltheizung „Heatbox 2000“ der Marke Gazcamp macht mir das Aushalten in der Kälte angenehmer. Früher hatte ich starke Bedenken bezüglich der Sicherheit. Die Heizung hat jedoch die nötige Sauerstoffüberwachung und schaltet sich bei Sauerstoffmangel automatisch ab.

Mitesser sollte man im Auge behalten


Da ich die Fische auf mein Futter und meine Spots konditioniert habe, verzichte ich auf irgendwelche (Extra-)Anreize. Egal ob Geruch oder Farbe – alles was jetzt zu sehr auffällt, wird nach meiner Erfahrung eher mit Missachtung gestraft. Gebracht hat es mir im Winter bei dieser (Futter-)Taktik auf jeden Fall noch nie etwas. Es widerspricht sich doch auch, die Fische erst an einen Bodenköder zu gewöhnen und dann zum Beispiel mit einem grellen Pop-up zu fischen?
Für mich ist im Winter noch wichtig, nur auf Bewährtes zu vertrauen und keine neuen Rigs oder Haken zu testen. Bekommt Ihr keinen Biss, werden sonst viel zu schnell falsche Rückschlüsse gezogen und das eigentliche Problem für den Blank bleibt unerkannt. Am Rig oder Haken liegt es jedenfalls in den seltensten Fällen.

Im Moment läuft es noch, ich hoffe das bleibt so!


Der richtige Winter lässt aktuell ja immer noch auf sich warten, auch wenn unter Wasser längst Winterbedingungen herrschen.
Spätestens ab jetzt nenne ich meine Fänge deshalb auch „echte“ Winterraritäten. Und Anfang Januar geht’s für meinen Kumpel und mich erst richtig los. Ich bin mal gespannt, welche der beiden Taktiken erfolgreicher sein wird. Der Winter kann also kommen. Ich werde Nachberichten!!!

Was sich aber auf jeden Fall schon als wichtige Voraussetzung herauskristallisiert hat, ist ein festes Konzept was man verfolgen sollte. Und an diesem kommt ein regelmäßiger Futtereintrag kaum vorbei.


Jens Scholz