Englische Verhältnisse im Herzen Frankreichs

Neben der Kiesgruben- und Stauseeangelei in meiner Heimat Thüringen zieht es mich ein- bis zweimal im Jahr zu entfernteren Zielen. Dieses Jahr hatte ich mir den Etang de Brigueuil vorgenommen, der in Zentralfrankreich liegt.
Neben den hervorragenden äußeren Bedingungen, die mir Vereinskollegen, beschrieben hatten reizten mich vor allem der attraktive Fischbestand und Gelegenheit mit Anglern verschiedener Nationen in Kontakt zu kommen.

Max schrammt haarscharf am Seerekord vorbei


Der Brigueuil ist ein 10ha großes, kommerzielles Gewässer, das vom englischen Ehepaar Jones betrieben wird. Es gibt zwar vernünftige Regeln zum Schutz der Fische und der Anlage, diese lassen dem Angler dennoch viel Freiraum um sich fischereilich zu entfalten. Das Gewässer ist besonders bei den Carphuntern von der Insel beliebt, die sich mit viel Enthusiasmus der PayLake Angelei widmen. Im Vorfeld hatte ich mich gut über das Gewässer informiert und wusste auch, wie viele der Engländer dort fischen. Kleine und kleinste Boilies, oft nur 8mm groß und teilweise sehr bunt mit aggressiven Aromen. PopUps oder Dumbels an „giftigen“ Chodrigs sollten die Aufmerksamkeit der Fische auf die SingleHookbaits lenken.
Da ich mich gern von anderen Anglern abhebe, musste ein Köder her, der gänzlich anders ist und den die Fische arglos aufnehmen. Ein Boilie ohne Flavour und Konservierer außerdem ganz ohne Farbe.



Steve hat den Bann gebrochen, der erste Biggy


Ich packte daher einige Kilo Scottish Niggard und #007 ein. Die gedeckten Farben der Köder, die sich nicht so stark von dem lehmigen Bodengrund abheben, sollten den Fischen eine Nahrungsquelle bieten, an der sie vertrauensvoll fressen können.
Die Fahrt von 1200km gestaltete sich, bis auf einen längeren Stau auf der Pariser Stadtautobahn, ziemlich problemlos.
Am See wurden wir vom Wächter Dan O Kelly begrüßt. Er half uns mittels Quad beim Tackletransport an die Stellen und gab uns noch einige wertvolle Tip`s zu Location und Taktik.

Zur Abwechslung mal ein Schuppi, der die Nachtruhe vorzeitig beendet


Der Rest war Routine, Zelte und Equipment aufbauen und die Plätze ein wenig vorfüttern. Mit der Futtermenge hielt ich mich bewusst zurück, da ich erstens nicht wusste, wie viel andere Angler am See gefüttert hatten und ich mir zunächst ein Bild über die Fischaktivitäten machen wollte.
Da man mit 4 Ruten fischen durfte gab es viele Optionen die Köder abzulegen. Futterboot oder das seeeigene Ruderboot sind erlaubt und ermöglichen eine perfekte Köder-Präsentation.
Lange musste ich nicht auf den ersten Biss warten. Bereits am ersten Abend war es soweit. Ein dicker Spiegler saugte sich den Schotten ein. Die Fische waren aktiv und ich hoffte auf weitere Aktionen. Ein kleines Seerosenfeld sollte mein Hot-Spod werden, den ich zunächst nur fütterte, ohne zu angeln, damit die Fische Vertrauen zu meinen Ködern bekommen. Nach 4 Nächten was es dann soweit.

Morgenstund hat Drill im Mund


Der erste 40iger war am Band. Allein für diesen tollen Fisch hat sich die weite Reise schon gelohnt.

Der Plan ging auf... Zufriedenheit in France


Die Ankündigungen von Dan, dass die Karpfen gut fressen, sollten sich bewahrheiten und wir konnten gemeinsam eine tolle Woche an diesem wunderschönen See verleben. Auch die Ruhe, die Natur und die Ordnung am Brigueuil machten diesen Trip zu einem einmaligen Erlebnis.

Christian Leist

Fotos: