Endspurt

Es ist Herbst, wir befinden uns auf der Zielgeraden. Aber der Ausgang des Rennens ist in diesem Jahr noch offen. Angesichts der ungewöhnlich warmen Witterung scheint noch alles möglich. Mit meinen angelegten Futter-Reserven bin ich angeltechnisch gut gerüstet und rechne mir noch eine reelle Chance auf ein paar gute Fische aus.
In der Tierwelt ist man ebenfalls auf gute Vorbereitung bedacht: auch da wollen die nötigen Reserven rechtzeitig angelegt werden. Sonst droht das Debakel, wenn der Winter tatsächlich kommt. Die Karpfen sind da keine Ausnahme. Die wollen sich ebenfalls noch ihren Winterspeck anfressen – und dabei helfe ich ihnen gerne mit etwas Futter.

Auch sie hat ihre Vorratskammer gefüllt


Tiere legen für den Winter Reserven an, ob diese Maus damit über den Winter kommt?


Aber zwischendurch gibt’s für die Karpfen eine kurze Zwischenlandung auf meiner Couch namens Unhooking-Mat. Hoffentlich.In der letzten Nacht hatten wir nun das erste Mal Bodenfrost. Bei den Fischen nicht selten das Startsignal für das große Fressen. Ich bin gut vorbereitet. Mein Futterplatz befindet sich an einem Baggersee an einer Stelle, die selten beangelt wird. Das lässt mir Freiraum für eine längere Futterkampagne. Dort fütterte ich drei Mal die Woche jeweils ein halbes Kilo #333-Boilies. Mir kommt es nicht darauf an, die Fische ewig an den Platz zu binden – ich möchte, dass sie hier regelmäßig etwas finden. Zwei kurze Sessions habe ich schon mit Erfolg getestet und weiß nun, dass mein Futter gefressen wird.

Mein Winterplatz ist schon gut vorbereitet!


Ich bin also auf dem richtigen Weg. Solch einen Platz halte ich bis in den Winter hinein regelmäßig unter Futter. Das nehmen die Karpfen gerne an, denn sie wissen dann bald ganz genau, wo sie mit wenig Aufwand die meisten Kalorien finden. Darum geht es. Und hat man den richtigen Platz gewählt, wird man auch bei frostigen Temperaturen regelmäßig Erfolg haben. Allerdings reize ich das nicht mit allzu langen Sessions aus. Wie schnell hat man sich eine Grippe eingefangen? Und dann verliere auch ich für den Rest der Wintersaison die Lust.
Außerdem will ich meinen Winter-Futterplatz nicht vorzeitig kaputt fischen. Deshalb liegt mein Hauptaugenmerk momentan noch auf einem anderen See. Dort gibt es zwar weniger, dafür aber größere Fische. Da ich den See seit einigen Jahren kenne, war ich mir sicher, dass es auch ohne große Futtervorbereitung gut laufen wird. Ohne großen Schnickschnack flogen meine Rigs in Richtung der Bereiche, in denen ich auch in den letzten Jahren im Herbst gute Ernte eingefahren habe. Die erste Nacht konnte ich vor Aufregung nicht einschlafen.

Es ist Herbst - Zeit für den Endspurt


Ich wartete auf den erlösenden Ton. Er blieb aus. Okay, wir hatten einen Wetterwechsel. In Kombination mit etwas Pech fährt man dann schon mal einen Blank ein. Ich blieb trotzdem gelassen, denn ich war sicher, dass sich die Fische zu dieser Jahreszeit in diesem Bereich aufhalten müssen. Also wartete ich einfach ab.
Ein Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Ich setze durch alte Erfahrungen voraus, dass in diesem Jahr wieder alles so abläuft, wie in den letzten Jahren. Aber: Bedingt durch äußere Faktoren wie Wetter, Angeldruck, natürliche Nahrungsquellen können Fische von Gewohnheiten abweichen. Passen wir unsere Gewohnheiten nicht an, schauen wir womöglich in die Röhre.
Ich mache es kurz. Auch in der zweiten Nacht fing ich keinen Fisch. Allerdings erfuhr ich, dass eine Bucht weiter zwei Fische gefangen worden waren. Ein Bereich, in dem ich es normalerweise nicht versucht hätte. Ich wusste nun also, dass die Fische beißen und gar nicht so weit weg sind. Meine erste Idee war, sie einfach an meinen Platz zurück zu locken. Dafür braucht es das richtige Lockmittel. In meiner Baittasche hatte ich den Prototyp eines neuen Liquids dabei. Er dient zwar eigentlich als Basis für einen neuen Wallerdip, welcher ab dem nächsten Jahr erhältlich ist, aber er ist schon seit einigen Monaten am Po und Ebro im Einsatz. Am Ebro reagieren sogar die Zander darauf. Ob das auch für Karpfen gilt? Der Behälter ist für 400 ml Inhalt hoch genug, um mein gesamtes Pellet-Vorfach reinzuhängen. Der exklusive #21 Tunfischflavour unterscheidet das Liquid von jedem anderen auf dem Markt erhältlichen Produkt. Das fermentierte Liquid stinkt wie verfaulte Füße. Das sollte doch eigentlich für Karpfen ein echter Magnet sein? Ich übergoss alle Köder mit der Flüssigkeit und schüttelte sie gut durch. Dann ergänzte ich noch den neuen 007 Stickmix. Eigentlich passte er nicht ins Konzept, aber weil ich nichts anderes hatte, wurde er ablösefrei verpflichtet. Versuch macht bekanntlich klug. Wieder gut durchgeschüttelt und eine Stunde bei etwas Wind und Sonne offen stehen gelassen. Die Köder hatten jetzt eine kleine Kruste die nach dem Wurf auch noch dran klebte.

Mehr benötigt man nicht - Boilies, Liquid und einen Stickmix


einfach drüber gießen


gut schütteln


panieren


und wieder gut schütteln - fertig!


Obwohl ich keine Aktivitäten auf dem Platz hatte, fütterte ich nochmals ein Kilo gesoakte Boilies. Einfach nur weil ich unbedingt eine sehr große Lockwirkung haben wollte. Schlechter konnte es ja sowieso nicht laufen. Ansonsten blieb alles beim Altbewährten, eine Rute fischte ich mit Bodenköder und wegen dem Stickmix köderte ich an der Chodrute einen Pop-up an.
Was soll ich sagen? In der folgenden Nacht fing ich vier Fische.

Er konnte dem 007 Popper am Chodrig nicht widerstehen


Mein Trip hatte sich also doch noch gelohnt und ich hatte wieder etwas dazu gelernt.

Jens Scholz