Auf Sicht im Kraut

Ein paar besondere Zusätze ersparen mir viel Futter und somit auch Geld ....


Jedes Gewässer ändert sich im Laufe der Zeit und somit auch die Gewohnheiten unserer Freunde.
In den letzten Jahren konnte ich schon in meinem Hausgewässer beobachten, wie sich die Wasserqualität verbessert und sich immer mehr Wasserpflanzen und Krautfelder ausbreiteten. Ich ging davon aus, dass es sich nicht wirklich auf unsere Angelei auswirken könnte, doch schon nach kurzer Zeit sollte ich eines Besseren belehrt werden. Das Fischen auf den alten herkömmlichen Spots (meist Kanten in Ufer Nähe) brachte einfach nicht mehr den lang ersehnten Erfolg. Immer öfter fuhr ich ohne jeglichen Kontakt heim. Auch die Aktivität der Fische in den bekannten Bereichen liefen gegen Null. Aber wo sollen sie sein?

Große Futterkampagnen konnte ich mir nun sparen!


Die Antwort erhielt ich einige Wochen später. An einem warmen Tag brach ich mit dem Boot auf zum Spinnfischen auf Rapfen, Barsch und Co. Ein sehr flacher, monotoner und sandiger Abschnitt ,einige Kilometer flussaufwärts, sollte das Ziel sein. Dort angekommen war alles anders als geplant. Auch dieser Abschnitt hat sich gewaltig verändert und wo vorher ein schönes sandiges Platau war ist heute eine unüberschaubare Wiesenlandschaft in Form von allen heimischen Wasserpflanzen, abgestorbenes sowie frisches Kraut, entstanden. Hier war nur das Fischen direkt auf der Oberfläche möglich. Kurze Zeit später waren auch die ersten Räuber überlistet. Um die Position zu ändern, holte ich den Anker hoch und lies mich vom Wind durch das Kraut treiben. Schon nach einigen Metern konnte ich eine große Bugwelle vor meinem Boot, im knietiefen Wasser, erkennen und dann verschlug es mir den Atem. Eine große Schule Karpfen war zum Greifen nah und direkt unter meinem Boot. Im sicheren dichten Kraut waren sie erst schwer zu erkennen, doch dank der Polbrille konnte ich Fische beobachten, welche mir sehr bekannt vorkamen. Nur ein Zufall dachte ich anfangs und freute mich dennoch über diese Begegnung. Angefixt von diesem Erlebnis erkundete ich diesen Abschnitt immer wieder in der folgenden Zeit und immer konnte ich Fische beobachten. Teils beim fressen, teils beim sonnen und auch eine handvoll riesiger Graser konnte aufgespürt werden .

Stiffrigs sind im klaren Wasser völlig unsichtbar


Nun war es an der Zeit die alten Wege zu verlassen und sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. An Long Distance fischen war hier nicht zu denken. Zu groß war die Gefahr die Fische im dichten Kraut wieder zu verlieren. So entschied ich mich dafür, das bequeme Ufer zu verlassen und das Karpfenangeln auf mein Boot zu verlegen. Mit geringem Tackle und gutem Futter wollte ich die Fische überlisten. Große Futterkampagnen, wie sonst, waren eigentlich nicht nötig, da die Fische bereits vor Ort waren. Also fuhr ich leicht bepackt in den Unterwasserdschungel. Zwei kleine Krautlöcher in denen sich regelmäßig Fische zeigten, sollten auf kurze Distanz befischt werden. Das Boot befestigte ich im seichten Wasser mit zwei Steckstangen. Nur 30 m von den kleinen Löchern entfernt. Pro Spot wurden nur kleine Mengen hochwertige Boilies gefüttert. Zwei Hände #007 in 20mm sollten pro Rute reichen. Beide Ruten wurden mit einem Stiff-Rig und einzelnen #007 bestückt und mit der Hilfe von PVA-Bags konnten die Rigs frei von Unkraut geworfen werden. Also schnell die Liege und das kleine Zelt aufgestellt und das Boot für die kommende Nacht vorbereitet. Keine zwei Stunden vergingen bis sich die ersten Fische auf dem flachen Spot zeigten. Nur ein Augenblick später lief die Rute ab. Erstaunt und vollkommen überrascht konnte ich meinen ersten Bootskarpfen 2015 in den Händen halten. Zwei weitere Fische folgten in dieser Nacht und so sollte es auch die nächsten Wochen weiter gehen. Immer wieder ließen sich so simpel und einfach viele schöne Fische fangen.

Schon bald schlug die erste Falle zu!


Philipp Stranz